Mit zwei Staffel-Titeln sowie einem hervorragenden dritten Platz im Langdistanz-Rennen brillierte die Glarner OL-Topläuferin Paula Gross an den CISM-Weltmeisterschaften in Spanien. Von Jörg Greb
Und doch noch: Bei den letzten internationalen Meisterschaftsrennen glückten Paula Gross Leistungen, die zu Medaillen führten. Und ihre Leistungsentwicklung aufzeigen. Gleich drei Medaillen eroberte sie an den Militär- oder eben CISM-Weltmeisterschaften.. „Richtig cool“, sagte die Aufsteigerin aus Niederurnen, „ich freue mich riesig über diese Erfolge.“
Paula Gross glückte ein Steigerungslauf. Nachdem sie als Vierte über die Mitteldistanz die Medaille um 36 Sekunden verpasst hatte, schaffte sie es im Langdistanz-Rennen als Dritte. Und es sollte noch besser kommen. In der Sprint-Staffel wie in der Frauenstaffel leistete sie ihren Part für die beiden Titelgewinne.
Indes, nur Glückseligkeit und Stolz empfindet die 26-Jährige nicht: „Medaillengewinne sind zwar toll, aber man muss sie auch in den richtigen Kontext stellen.“ CISM-Weltmeisterschaften geniessen im reich befrachteten Jahreskalender der besten Orientierungsläuferinnen und -läufer zwar einen ansehnlichen Stellenwert, vergleichbar mit einer WM oder EM sind sie aber nicht. Und auch gegenüber Weltcup-Rennen ist die Dichte der Starterfelder geringer. Dass mit der Schweizer Teamkollegin Simona Aebersold eine Welt- und Europameisterin vier Mal zuoberst auf dem Podest stand, ändert dabei wenig.
Aber Paula Gross erkennt auch: „Eine Medaille ist das, was eine Topleistung widerspiegelt“, Überbewerten will sie keine von diesen dreien. Ihre eigenen Leistungen entsprachen nicht ganz dem, was sie eigentlich könnte. Die Knieverletzung (tiefe Fleischwunde) von der EM Mitte August, hindert sie noch immer. Vor allem der Trainingsausfall und die nach wie vor vorhandenen Einschränkungen fallen ins Gewicht.
Leistungsentwicklung
Dennoch hat Paula Gross Grund zur Zufriedenheit. In den vergangenen Monaten hat sie unterstrichen, dass ihr eine deutliche Leistungsentwicklung gelungen ist. Die souveränen Qualifikationen für die Weltmeisterschaften (Sprint/in Schottland) wie für die Europameisterschaften (Wald/in Ungarn) unterstreichen das.
Und herausragend war das Mitteldistanz-Rennen an der EM. Rang 5 belegte sie in diesem – obwohl der verhängnisvolle Sturz aufs Knie in der Schlussphase Zeit wie mentale Aufmerksamkeit kosteten. Von „meiner besten Saison“, spricht denn Paula Gross auch – im Wissen, dass „mich auch viel Pech und gesundheitliche Rückschläge (krank anfangs EM) ausgebremst hatten.“
Neues Selbstverständnis und Perspektiven
Zum einen sorgen solche Erkenntnisse zum Hadern, zum andern vermitteln sie auch Selbstvertrauen: Sie weiss nun: „Wenn alles läuft und der Körper mitspielt, kann ich vorne mitlaufen“ Um eine Entwicklung handelt es sich bei ihr. Sie ist schneller, technisch stabiler und selbstsicherer geworden. Befragt, was sie als Hauptgründe für diesen Vorwärtsschritt sieht, sagt Paula Gross: „Ich fühlte mich in dieser Saison mental sehr stark und ich bin physisch stärker geworden.“ Die neue psychische Stabilität zeigt sich in Lockerheit. Sie sagt: „ich wusste immer genau, was wann und wie zu tun war“. Die neue läuferische Qualität führt sie auf das wöchentliche Qualitätstraining in Uster beim LC Uster zurück.
Die Saison ist nun quasi vorüber. Von einer Pause aber will Paula Gross nichts wissen. „Wegen dem Knie setzte ich lang genug aus“. Sogleich startet der Aufbau aufs 2025 mit den (Wald-)Weltmeisterschaften in Finnland als Höhepunkt. Zuversichtlich blickt sie vorwärts. „Mein Traumziel ist die WM-Staffel“, sagt sie – im Wissen, dass sie eigentlich bereits für die EM-(Gold-)Staffel vorgesehen gewesen wäre, verletzungsbedingt aber verzichten musste und eine äusserst belastende Gegebenheit zu verarbeiten hatte/hat. Aber: Bereits diesen Samstag steht sie wieder an einer Startlinie: am Glarner Stadtlauf.