Datum: 11.07.2022
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Lukas Gasser auf der Achterbahn der Gefühle

Nach einer starken Leistung im Langdistanzrennen unterlief dem Horgner Lukas Gasser im Sprint ein fataler Fehler. Beim abschliessenden Staffelrennen sicherte er dann seinem Team die Goldmedaille.

«Der Langdistanzwettkampf an der diesjährigen Jugend-EM war das härteste Rennen, das ich in meiner bisherigen Karriere gelaufen bin», fasst der 16-jährige Horgner zusammen und erklärt: «Obwohl ich relativ früh starten konnte, herrschte bereits eine drückende Hitze mit Temperaturen um 35 Grad. Die vielen Steigungen fand ich sehr hart und am Ziel hatte ich kein gutes Gefühl». Doch Gassers Eindruck täuschte: Seine Anstrengungen wurden letztlich mit dem fünften Rang und einem Diplom belohnt, was ihn natürlich freute.

Kleiner Fehler mit grosser Wirkung

Einen Tag später fand bereits das Sprintrennen statt. Schon die Startphase gelang Gasser nicht wunschgemäss: «Bereits beim zweiten Posten war ich etwas unsicher, und zum Posten vier lief ich in eine Sackgasse», berichtet Gasser und fügt an: «Das waren aber keine schlimmen Fehler. Sie kosteten mich nur ein paar Sekunden». Vom Posten fünf zum Posten sechs musste Gasser Richtung Süden laufen, deshalb drehte er die Karte. Unglücklicherweise lag der neunte Posten nicht weit vom sechsten und beim Drehen der Karte drehten auch die Nummern. So nahm das Unglück seinen Lauf. Gasser sprintete direkt zum neunten Posten und anschliessend auch noch in der falschen Richtung zum Posten sieben. Erst da realisierte er sein Missgeschick. «Das war ganz schlimm, als ich merkte, was passiert war, denn schon im vergangenen Jahr missriet mir der Sprint an der Jugend-EM gründlich. Auf der zweiten Hälfte des Parcours nahm ich es dann gemütlich. Jetzt spielte es keine Rolle mehr, ob ich sechzigster oder siebzigster wurde. Die Enttäuschung am Ziel war riesig», erinnert sich Gasser.

Der Zettel mit den Szenarien

Zum Wunden lecken blieb Gasser glücklicherweise wenig Zeit, denn am Tag nach dem Sprint stand schon das Staffelrennen auf dem Programm. «Ich freute mich sehr auf das Staffelrennen, bei dem ich als Schlussläufer vorgesehen war. Schon vor den Titelkämpfen überlegte ich mir mögliche Szenarien und notierte mir diese und die entsprechende Taktik auf einem Zettel. Weil meine beiden Kollegen Matthieu Bührer und Loic Berger starke Läufer sind, war das Szenario, dass ich als erster Schlussläufer mit einem grösseren Vorsprung auf die Schlussstrecke starten konnte, durchaus realistisch». Tatsächlich entwickelte sich das Rennen genauso. Startläufer Bührer gelang es, auf der ersten Strecke einen klaren Vorsprung zu erarbeiten, welcher Berger verwalten konnte. Für Gasser war das eine ideale Vorgabe, die ihn aber auch belastete: «Ich war noch nie so nervös, wie am Start zu dieser Staffel. Weil ich mit rund drei Minuten Vorsprung starten konnte, wählte ich bewusst einfachere Sicherheitsrouten, die manchmal auch einen Umweg erforderten. Ich wollte einfach immer genau wissen, wo ich bin».

Schreckmoment und Happyend

«Schon bald fühlte ich mich sehr sicher, vielleicht schon zu sicher. Denn prompt unterlief mir ein kleiner Fehler, der wie ein Warnschuss wirkte. Ich versuchte mich wieder voll zu konzentrieren», beschreibt Gasser diesen einen heiklen Moment. Beim Überlauf vor der Schlussschlaufe rief ihm der Trainer zu, er habe viel Vorsprung und könne es jetzt gemütlich nehmen. Kurze Zeit später passierte der Horgner dann den letzten Posten, wo seine beiden Teamkollegen auf ihn warteten. Gemeinsam liefen die drei über die Ziellinie und feierten ihren grossen Erfolg. Nach dem Rennen zeigte sich, dass Gassers Taktik voll aufgegangen war, denn trotz seiner Sicherheitsrouten hatte er die Schlussstrecke schneller als alle seine Konkurrenten absolviert.

MG