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Besuch am schönsten Arbeitsplatz der Welt (18.07.19/Martin Gross)

Der Kartenaufnehmer Martin Lerjen ist derzeit dabei, die OL-Karte Mullern aufzunehmen. Am Donnerstag, 18.7. besuchte ich ihn im Gelände und plauderte mit ihm über seine Arbeit.

Martin Lerjen ohne OL-Karte auf Mullern zu finden, ist gar nicht so einfach. Per Handy lotst er mich zu einem Brunnen auf einer Weide am Waldrand. Dann empfiehlt er mir, das Handy einfach wegzulegen und zu horchen. Tatsächlich höre ich seine Stimme aus dem Wald rufen. Hätte er nicht gerufen und sich einfach irgendwo im Wald ins Kraut gelegt, wäre ich chancenlos gewesen, ihn jemals zu finden.

Fast wie bei einem Versteckspiel
Mühsam steige ich über moosbewachsene Steinbrocken in Richtung seiner Stimme. Mich erstaunt eine kleine Herde Kühe, die mitten im steilen Wald weidet und mich verständlicherweise etwas verwundert anglotzt. Ab sofort muss ich nicht nur auf die versteckten, scharfkantigen Felslöcher im Boden aufpassen, sondern auch noch auf die frischen Kuhfladen. Weil ich die Milchproduzentinnen beim Fressen nicht stören will, mache ich einen kleinen Umweg und rufe zur Sicherheit nochmals nach meinem Namensvetter. Kurz darauf ertönt seine Stimme erneut und immer noch aus der gleichen Richtung, diesmal aber deutlich näher.

Grün, grün, grün
Plötzlich steht er vor mir. In seinem tarnfarbenen Arbeitskleidern und mit seinem Schlapphut ähnelt Martin Lerjen ein bisschen einer Mischung aus einem Oberförster und Crocodile Dundee. Er führt mich vor einen riesigen, haushohen Felsbrocken, wo er sich ein gemütliches Picknick-Plätzchen mit Aussicht auf sein Tätigkeitsgebiet eingerichtet hat. Wie ruhig es hier ist! Wir blicken auf ein mit einer dicken Krautschicht bewachsenes Waldgebiet unter uns. Grün ist hier ganz klar die dominante Farbe. Grün - so weit das Auge reicht. Grün soll beruhigend und harmonisierend sein. Kein Wunder, dass mein Gesprächspartner sehr gelassen wirkt. Der einzige komplementäre Farbtupfer in diesem grünen Paradies bin ich mit meinem knallroten T-Shirt. Das ist mir fast ein bisschen peinlich.

Wer schafft es auf die Karte?
Martin erzählt mir von seiner Arbeit. Wir diskutieren zum Beispiel, wie man in einem Felssturzgebiet einzelne Brocken kartiert. Vor uns liegt ein Exemplar etwa von der Grösse eines Sofas, ein Fels also, der im Landforst einen wunderbaren Postenstandort abgeben würde. Martin lächelt mitleidig. «Du kannst diesen Stein und den Kollegen daneben gerne mitnehmen. Auf der Mullern-Karte werden die beiden eh nicht erscheinen. Die sind schlicht zu klein. Schwierig ist das Gelände insbesondere, weil der holprige Untergrund so dicht mit Pflanzen überwachsen ist und man kaum sieht, wo man hintritt», erklärt der Kartenaufnehmer. «Ich rate dem Bahnleger deshalb dringend, sich die Postenstandorte und auch Routen im Gelände anzuschauen», fügt er an.

Überraschungen auf dem Heimweg
Seine Anstrengungen im Gelände werden manchmal auf dem Heimweg zu seiner Unterkunft in der Skihütte des Skiclubs Mollis mit Überraschungen belohnt. Kürzlich habe er eine Rehgeiss mit ihrem Kitz und gleich danach noch eine Gämse gesehen», berichtet Martin. Fast noch mehr gefreut hat ihn aber die Begegnung mit der Familie Mauswiesel. «Neugierig guckten mich gleich vier dieser flinken Tiere an. Dann verschwanden sie in einem Loch. Ich blieb stehen. Kurze Zeit später tauchten die putzigen Tierchen für einen Moment wieder auf, bis eines der Wiesel einen Warnruf ausstiess und damit die Gruppe definitiv zum Rückzug kommandierte».

Der Blick von der Skihütte hinunter auf die Linthebene und der in der Abendsonne glitzernde Linthkanal begeistert Martin gleichermassen. Offenbar geniesst er im Moment nicht nur den schönsten Arbeitsplatz, sondern auch den schönsten Feierabend.

MG